29.03.05
kapitel 4, kommunkationsdesign vs. intermedia
Kategorie: Österreich, FH Vorarlberg
Geschrieben von d_taubert um 17:54
liebe freunde,
ich erlebe hier grosse abenteuer. so war ich in den letzten wochen auf vier bergen, in zwei schluchten, bin bis zu den knien im schnee versunken, habe eine lawine überquert und halb in einen fluss hineingepurzelt. ausserdem habe ich eine katze gestreichelt und bin barfuss durch schnee gelaufen.
ich gewöhne mich langsam an den dialekt der vorarlberger, der selbst für wiener eine herrausforderung ist und durchschaue die geheimnisse der müll-trennung.
die letzte woche war hier wunderbar ruhig, denn meine schrillen mitbewohnerinnen sind spontan über ostern heim gefahren. ansonsten verbringen sie viel zeit in der küche und arbeiten an ihrem weltrekord im rommé-spielen.
die kurse haben hier die lustige eigenschaft, sich hinter völlig irreführenden titeln zu verbergen – so geht es zum beispiel bei "psychologie" um e-learning programme und bei "programmieren" um interfaces und schlechtes produkt-design. ausserdem habe ich noch englisch, wo wir filme analysieren und geschichten über prinzessinen schreiben, "kultur und design", bei dem ebenfalls die filmgeschichte behandelt, viel gehustet wird und die hälfte der zeit dafür drauf geht, dass sich die dozentin mit der bedienung des DVD-gerätes etwas schwer tut.
dann gibt es noch "marketing" bei mimi, wo werbekampagnen besprochen und entwickelt werden und "medieninformatik", wo mit verschiedenen medien experimentiert werden soll, bzw. 3d-animation, film und virtueller raum verknüpft werden soll.
der schwerpunkt liegt im so genannten "atelier", wo wir zum über-thema "natur als inszenierte landschaft" ein eigenes thema in einer gruppe bearbeiten müssen. überhaupt wird hier sehr viel wert auf gruppenarbeit gelegt.
bei "projektmanagement" war ich nur ein einziges mal – das war mir wirklich zu langweilig.
leider überwiegen dieses semester die theoretischen kurse und die gestaltung kommt etwas zu kurz.
der anfängliche schnee hat sich nun gänzlich in wohlgefallen aufgelöst und der frühling macht sich breit.
der schneeberg am marktplatz wurde durch einen frühlingshaften springbrunnen ersetzt.
man kann sich in den pausen auf der wiese vor der schule tümmeln und auf dem fahrrad zum bodensee fahren.
grüsse aus der ferne, daniel
(diesen eintrag verschicke ich übrigens auf der strasse vor diesem chinesen stehend, wo ich mich ins offene netzwerk eingewählt habe, hehe)
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kapitel 3, schwellungen, prellungen
Kategorie: Österreich, FH Vorarlberg
Geschrieben von d_taubert um 17:38
das ski-vergnügen hat letztendlich doch spuren hinterlassen. was ich anfänglich noch für eine besonders hartnäckige blase hielt, hat sich zu einer wunderschönen schwellung weiterentwickelt. selbstdiagnose: bänderdehnung. zwei tage konnte ich mich nur humpelnd unter starken schmerzen fortbewegen. meine behandlung mit kalten wickeln, sport-gel und einem siderischem pendel hat aber wirkung gezeigt – nach zwei qualvollen tagen war der spuk wieder vorbei.

von meinen vormietern habe ich ein erstklassiges herren-rad vererbt bekommen, auf dem ich nun, wenn nicht gerade schnee liegt, stolzen hauptes durch die gegend fahren kann. ein ganz neues freiheits-gefühl. und der halbstündige fuss-marsch zur fachhochschule entfällt nun auch.
eine zettelwand wo die kurse mühselig abgeschrieben werden müssen gehört hier der staubigen vergangenheit an – die kurs-beschreibungen sowie stundenpläne sind allesamt nur noch "online" zu beschauen. denn die grossen buchstaben der stunde sind LMS – das ist keine krankheit sondern dass so genannte "learning management system", welches per persönlichem kennwort zugänglich ist.
dort gibt es ausserdem die möglichkeit, jedem kurs-teilnehmer eine mail zu schicken, oder in einem forum eine diskussion zu starten.
meinen ersten kurs habe ich auch schon erfolgreich hinter mich gebracht – plakatdesign ging ganze drei tage, von denen ich einen tag wegen oben erwähnten problemen versäumt habe. es gab eine kurze einführung in die plakatgeschichte anhand einiger beispiele und schon wurde uns das thema genannt, zu welchem in kürzester zeit ein ansehnliches plakat gestaltet werden sollte.
man began mit einer internet-recherche und hatte dann bis 18 uhr die gelegenheit an den entwürfen zu arbeiten. der dozent drehte seine runden und gab bereitwillig kommentare ab.
da das ende des kurses auf einen freitag viel, gab es leider keine präsentation mehr, sondern stattdessen sind alle nach dem mittagessen verschwunden. hier ist halt alles ein wenig entspannter.
die arbeiten werden aber auf dem hauseigenem server zur betrachtung aller abgelegt. jeder student hat einen von allen computern zugänglichen server-platz, auf dem nach belieben daten abgelegt werden können. auch hier ist dornbirn unserer fh voraus.
die letzte woche war ausserdem geprägt von zwei ausflügen.
am dienstag fuhr ich begleitet von meiner deutschen komillitonin mit dem zug die 15 minuten nach bregenz, wo wir das kunsthaus besuchten und in einem café mit bodensee-blick tee tranken.
ein wenig weiter entfernt und wieder auf deutschem lande ist lindau, wohin mich meine mitbewohnerinnen am samstag mit dem auto mitgenommen haben.
die freude war gross, als das mobil-telefon wieder heimsches netz anzeigte und gebührenfrei am automaten geld abgehoben werden konnte.
auf der lindau-insel gibt es zwei parallel nebeneinander stehende kirchen, von denen sich eine schöner als die andere vorkommt. beide sind ausgestattet mit furchteinflössenden orgeln und barockem mummpitz.
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kapitel 2, aldi heisst hier hofer
Kategorie: Österreich, FH Vorarlberg
Geschrieben von d_taubert um 17:35
..und haider heisst jetzt twix. sonst ändert sich nix.
die so genannte orientierungswoche ist nun fast überstanden. ich bin auch schon teilweise orientiert.
morgens spielte man lustige ballspiele, stellte sein land vor und versuchte die gängigsten vorurteile für das selbige zu widerlegen oder zu bestätigen.
die anderen 36 auslands-studenten aus aller welt bemühten sich auf gebrochenem deutsch oder holprigem englisch mit fragen wie "woher kommst du?", "was studierst du?" oder "fährst du ski?" anzunähern.
gefolgt wurde dies von einem block deutschunterricht, bei dem mir die ehrenvolle betreuung von vier anfängern anvertraut wurde.
die fh sparte an nichts um uns von kopf bis fuss zu verwöhnen – wir wurden zum essen eingeladen, bekamen t-shirts geschenkt, machten einen ausflug zur hiesigen ski-fabrik, besuchten eine ausstellung und wurden auf einer goldenen sänfte überall hingetragen.
selbstverständlich wurde auch das örtliche nachtleben inspiziert. ich tat gut daran, mir nicht zuviel davon zu versprechen.
erfreuter war ich über meine entdeckung der gut sortierten dvd-kollektion in der bibliothek. werde ab sofort täglich zwei dvd´s pro tag schauen, damit ich bis juli alle durch habe.
heute galt es dann das größte abenteuer zu bestehen – denn es stand ski-fahren auf dem programm. das bot mir die gelegenheit mein trauma des letzten kläglichen ski-versuchs der klassenfahrt von vor ungefähr 13 jahren zu beheben. und es ging dann auch besser als ich erwartet habe – trotz widriger schnee-verhältnisse bin ich insgesamt nur zweimal gestürzt. ich bin stolz auf mich.
und ich habe festgestellt, dass handschuhe von h&m doch nicht den richtigen schutz bieten.
wenn das leihen der ausrüstung und die tageskarte nicht so teuer wären, würde ich den spass wohl häufiger mitmachen.
ab morgen beginnen dann die kurse hier – bin gespannt, wie sich der studiengang hier von dem unseren unterscheiden wird und werde berichten.
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kapitel 1, die ankunft
Kategorie: Österreich, FH Vorarlberg
Geschrieben von d_taubert um 17:18
was bisher geschah:
ich bin nun also im kleinen örtchen dornbirn in österreich angekommen, der mein lebensmittelpunkt der nächsten monate darstellen wird.
die siebeneinhalb stunden zugfahrt haben sich als kurzweiliger als befürchtet herausgestellt und war bis auf die gruppe junger menschen im nachbar-abteil, die schon bei meinem einstieg in düsseldorf um 8.51 uhr eine batterie leerer becks-dosen präsentierten und immer lauter wurden je mehr man sich den südlichen ski-gebieten näherte, recht angenehm.
an schlaf war nicht zu denken, erstens wegen eben genannten störgeräuschen, zweitens aus sorge um meinen kompletten hausrat, der sich rings um mich verteilte.
der blick aus dem fenster war eher in schwarz (tunnel) und weiß (schnee) gehalten.
bei meiner ankunft am dornbirner bahnhof um halb fünf wurde ich von einer der netten betreuerinnen für die auslandsstudenten, abgeholt. der erste weg führte in den hiesigen supermarkt, damit ich mich für den rest des wochenendes versorgen konnte. die preise schmerzen gewaltig – man bezahlt mitunter das doppelte wie in düsseldorf. es soll aber auch ein equivalent zu aldi geben.
als zweites hat sie mich kurz an der fachhochschule vorbeigefahren. das gebäude wirkt von der architektur wesentlich angenehmer als unsere fh und die computerräume sind bis obenhin voll mit G5s.
einen näheren eindruck der schule und der umgebung bekomme ich dann ab morgen in der einführungswoche. hoffentlich gibt es keine stadtralley.
die wohnung ist komfortabler als erwartet. für die monatlichen 300 euro bekomme ich ein geräumiges zimmer mit parkett-boden, einem schrank, tisch und bett. im badezimmer habe ich sogar eine waschmaschine entdeckt.
da meine drei mitbewohnerinnen erst in einer woche aufkreuzen, habe ich mir prompt das grösste zimmer mit der schönsten aussicht ausgesucht. ich alter egoist.
aus meinem fenster habe ich einen beeindruckenden panorama-blick auf die berge, wenn nicht wie heute morgen alles hinter einem weißfilter verschwindet. überhaupt ist hier alles sehr weiß. wie ich bei meinem abendlichen spaziergang durch den ort gestern festgestellt habe, wird der gesamte schnee aus der umgebung von fleissigen schneepflügen auf dem marktplatz zu einem lustigen berg zusammengeschoben.
nur einen internet-zugang habe ich in der wohnung leider nicht und muss mich, um mit dem rest der welt zu kommunizieren, zur fachhochschule oder ins café phönix begeben. dort gibt es zwar einen kostenlosen wlan hotspot, lädt aber mit seiner befremdlichen mischung aus china-imbiss und dorfkneipe, nicht zum längeren verweilen ein.
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